Homeschooling – Hausunterricht – Freilerner | Was ist das?

Was ist Homeschooling? Was ist Hausunterricht? Was sind Freilerner? Wieso gibt es eine Schulpflicht? Und was ist eine  Bildungspflicht? Können das Alternativen zur jetzigen Situation sein? Muss oder sollte ein Umdenken stattfinden?

In Deutschland gibt es die Schulpflicht – alle Kinder müssen zur Schule gehen. In der Weimarer Republik wurde die Schulpflicht eingeführt, denn so wurde sichergestellt, dass alle Kinder zum Lernen kamen und nicht auf dem Feld mit arbeiten. So ist das bis heute geblieben! In Deutschland muss man 12 Jahre zur Schule gehen oder bis man 18 Jahre ist. Das ist aber nicht in allen Ländern so. In England können Kinder zu Hause unterrichtet werden – entweder von einem eigenen Lehrer, Elternteil, Geschwister oder Verwandten. Nur nicht in der Schule, sondern zu Hause – also Homeschooling. In Deutschland ist das verboten – und zum Unterrichten muss man Lehrer sein. In vielen Ländern gibt es die Bildungspflicht. Der Unterschied zwischen Bildungs- und Schulpflicht ist, dass bei der Bildungspflicht Kinder gebildet werden müssen, d.h. nicht unbedingt in der Schule. Bei Bildungspflicht darf zu Hause oder an jedem beliebigen Ort unterrichtet werden. Hausunterricht ist eine Form der Bildung und Erziehung, bei der die Kinder zu Hause von den Eltern oder Privatlehrern statt in Schulen unterrichtet werden. Die konkrete Praxis des Hausunterrichts kann sehr unterschiedlich aussehen. Das Spektrum reicht von stark strukturierten, an traditionellem Schulunterricht orientierten Formen bis zu sehr offenen wie dem Unschooling. Schweden gehört neben Deutschland, der Volksrepublik China und Nordkorea zu den wenigen Ländern mit einer gesetzlichen Schulpflicht. Dann gibt es noch das Freilernen. Freilernen bedeutet, dass jegliche Art von Schule und Hausunterricht abgelehnt werden. Es gibt keinen Unterricht sondern Lernsituation, sozusagen die Schule des Lebens.

Was ist Homeschooling?

Was ist beim Homeschooling zu beachten?

Begriffsüberblick: Homeschooling, Hausunterricht, Freilernen, Unschooling, Deschooling Es gibt neben dem international bekannten Begriff „Homeschooling“ weitere Ausdrücke, die in eine ähnliche Richtung gehen. Die wichtigsten sind „Hausunterricht“, „Freilernen“, „Unschooling“ und „Deschooling“. Der klassische Hausunterricht meint die pädagogische Betreuung der Kinder durch Lehrerinnen und Lehrer, die ins Haus kommen oder pädagogisch gebildete Eltern. Freilerner verfolgen einen eher philosophischen Ansatz, nachdem Kinder nicht zum Lernen eines bestimmten Stoffes gezwungen und nicht von Erwachsenen beurteilt werden sollen. Unschooling entspricht diesem Prinzip weitestgehend und ist die englische Bezeichnung dafür. Deschooling als Konzept versucht, diese klassischen Strukturen und Mechanismen der Schule durch ein „Verlernen“ aufzubrechen. Ein weiteres Konzept ist das selbstbestimmte Lernen, das sowohl als Hausunterricht als auch in Kombination mit einem Schulbesuch erfolgen kann. Dieses Konzept weist individuelle Charakteristiken auf.

Homeschooling in Deutschland – Alternativen

Waldorfschule

Eine Waldorfschule ist eine Schule, an der nach der von Rudolf Steiner begründeten Waldorfpädagogik unterrichtet wird. Die Waldorfpädagogik beruht auf der anthroposophischen Menschenkunde Rudolf Steiners (Wikipedia)

Konstitution

Jede Waldorfschule ist eine autonome Organisation, welche durch kollegiale Selbstverwaltung durch Eltern und Lehrer gemeinsam, das heißt ohne eine Direktion im üblichen Sinne, geleitet wird. Pädagogische und organisatorische Entscheidungen trifft die wöchentliche Lehrerkonferenz, an der auch der Geschäftsführer und der Schularzt teilnehmen. Spezielle Arbeitsfelder werden an kleinere Personengruppen innerhalb des Kollegiums delegiert (z. B. Baukreis, Finanzkreis oder Festkreis). Wirtschaftlich verantwortlich ist der Vorstand des Trägervereins, der Aufgaben einer Geschäftsführung übertragen kann. Schulträger ist zumeist ein Verein, dessen Mitglieder Eltern und Lehrer sein können.

Lehrplan

Der Lehrplan der Waldorfschulen ist kein festgelegter Katalog von Zielen und Themen. Der Lehrer ist die ‚Repräsentation der Welt‘ für das Kind. „Als Erkennender ist der Lehrer in der Lage, das jeweils Richtige an das Kind heranzutragen.“ Inhalte und Methoden werden nicht von der sachlichen Gliederung des Unterrichtsstoffes, sondern vom Entwicklungsstadium der Schüler her bestimmt. Ob Stoff und Methode als altersgemäß einzustufen sind, wird einerseits vermittels der anthroposophischen Menschenkunde beurteilt und steht in der Entscheidung des Lehrers, der ‚Lehrplan und Lehrziele von der menschlichen Wesenheit abliest‘. Der Wegweiser ist also das Kind selbst. ‚Das Lesen im Wesen des Kindes ersetzt das Lesen eines Lehrplanes.

Schulabschlüsse

An Waldorfschulen werden grundsätzlich alle Prüfungen für die in dem jeweiligen Bundesland möglichen staatlichen Schulabschlüsse angeboten. Das tatsächliche Angebot an Abschlüssen variiert je nach Bundesland und Schule. Die Regelschulzeit an deutschen Waldorfschulen beträgt zwölf Jahre bis zum Waldorfabschluss, dreizehn Jahre bis zum Abitur.

Montessoripädagogik

Montessoripädagogik ist ein von Maria Montessori ab 1907 entwickeltes und namentlich in Montessori-Schulen angewandtes pädagogisches Bildungskonzept, das die Zeitspanne vom Kleinkind bis zum jungen Erwachsenen
abdeckt. (Wikipedia)

Der traditionelle Klassenverband wird hier aufgehoben. Die Lehrer ermuntern zum freien Arbeiten. In Deutschland gibt es rund 200 weiterführende Montessori-Schulen

Die Montessorimethode wird oft als eine Philosophie beschrieben, die das Kind und seine Individualität in den Mittelpunkt stellt. Maria Montessori glaubte an den Eigenwert des Kindes. Vergleiche mit traditionellen Standards sind in der Montessoripraxis nicht erwünscht. Stattdessen meinen Montessori-Befürworter, dass Kinder frei lernen sollten, ohne Behinderung und Wertung. Montessori glaubte, dass sowohl Belohnungen als auch Strafen schädlich sind für die innere Einstellung des Menschen, dass Kinder ganz natürlich aus ihrer eigenen Motivation lernen wollen. Vor allem deshalb, weil es in ihrer Natur liege, am (erwachsenen) Leben teilhaben zu wollen.

Die Montessorimethode konzentriert sich als Pädagogik auf die Bedürfnisse, Talente und Begabungen des einzelnen Kindes. Montessori-Lehrer und -Pädagogen sind der Meinung, dass Kinder am besten in ihrem eigenen Rhythmus und in ihrer eigenen Art lernen. Kinder werden dazu ermutigt, das Tempo, das Thema und die Wiederholung der Lektionen selbstständig zu steuern. Dabei wird zugrunde gelegt, dass jede Abweichung vom Ideal des göttlichen Kindes eine Störung darstellt, die durch Einsatz von Lernmethoden behoben (normalisiert) werden kann.

Laut Maria Montessori selbst handelt es sich bei ihrer Pädagogik bzw. bei der sogenannten Montessori-Methode um „eine komplexe, pädagogische und soziale Bewegung, die unmittelbar aus der und durch die Offenbarung des Kindes entstanden ist.“

Das Leitmotiv der Methode ist die Pflege der natürlichen Freude des Kindes am Lernen. Nach Montessori stellt diese Freude am Lernen einen Kernbestandteil des Wesens eines jeden Kindes dar. Mit Respekt und Achtung unterstützt und angeleitet, führt sie zu einer Entwicklung einer in sich ruhenden und ausgeglichenen Persönlichkeit.

Freie Schule

Schule in freier Trägerschaft, nichtstaatliche Schule, siehe Privatschule. Alternativschule, Schule mit alternativem pädagogischen Konzept. (Wikipedia)

Die Zahl der freien alternativen Schulen steigt stetig an. Die Gründer sind häufig Lehrer, die der staatlichen Schule frustriert den Rücken gekehrt haben.

Internationale Schule

Bei den Internationalen Schulen handelt es sich um Schulen, die ihre Bildungsziele, Lehrpläne und Abschlüsse an ausländischer Kultur orientieren oder ausländische Schulformen verwenden, also eine Auslandsschule aus Sicht des Herkunftslandes. (Wikipedia)

Das Konzept Fremdsprachen in allen Bereichen anzuwenden, lockt Eltern, die einen Job im Ausland planen oder ihre Kinder auf eine internationale Karriere vorbereiten wollen. An den meisten bilingualen Schulen ist Englisch der Schwerpunkt.

Internate

Internat ist der Oberbegriff für Einrichtungen, in denen Schüler aller Altersstufen und aller Schularten wohnen und betreut werden und die einer Schule angegliedert sind. (Wikipedia)

Eltern, die die Interessen ihrer Kinder besonders fördern möchten, sollten ein Internat in ihre Liste der weiterführenden Schulen aufnehmen. Auch bei akuten Lernproblemen sind diese Schulen könnten diese Schulen Sinn machen.

Viele wurden von Lehrern oder Eltern gegründet, die sich bereits im Kinderladen oder in Elterninitiativen engagiert haben. „Eltern machen sich heute mehr Gedanken um die Schulzeit ihrer Kinder“, sagt Tilmann Kern, Geschäftsführer des Bundesverbands der Freien Alternativschulen.

Sie bevorzugen kleine Klassen und Schulkonzepte, die sich stärker an den Bedürfnissen ihrer Kinder orientieren. „Hier gibt es kein Lernen im Gleichschritt“, kommentiert Kern.

Auch bei den Alternativschulen gibt es die verschiedensten Konzepte. Alle setzen sie auf demokratischere Strukturen in der Schule und wollen den Kindern ermöglichen, ihre Zeit in der Schule selbst zu bestimmen.

Meist gibt es pro Jahrgang nur eine Klasse, zwischen 60 und 100 Schüler werden unterrichtet. Bis die ersten Schüler tatsächlich unterrichtet werden können, vergeht meist viel Zeit. Allein Entwicklung und Genehmigung des Konzepts brauchen ein bis zwei Jahre.

Großer Bedarf an Alternativen zu staatlichen Schulen

Eine der größten Hürden ist die Finanzierung. Je nach Bundesland gibt es eine Wartefrist von bis zu fünf Jahren, bis Zuschüsse vom Land für die Schule fließen. Viele Gründer verzweifeln an der Suche nach dem passenden Gebäude und den richtigen Pädagogen. Wer in der Alternativschule unterrichten will, braucht die Offenheit für alternative Bildungskonzepte.

Der Bedarf ist da, Ideen für Schulkonzepte auch. Verbände sind sich daher einig, dass die Förderung der freien Schulen ausgebaut werden muss. Dabei geht es nicht nur um die finanzielle Unterstützung, sondern auch darum, Hürden bei der Gründung neuer Schulen abzubauen. Für so manche Freilerner-Familie wäre eine eigene Schule die Alternative, nicht gegen Gesetze verstoßen zu müssen.

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